Die Mongolei war eines meiner Sehnsuchtsländer der Langzeitreise. Ich wollte unbedingt dieses Land mit seinen Weiten kennenlernen. Ich bereiste die Mongolei jedoch nicht mit Michi, dafür aber mit meiner Freundin Charlotte. Ich freute mich riesig dieses Abenteuer mit ihr zu wagen. Es war nicht einfach über das Land etwas herauszufinden, da es wenig Informationen zu Reisen ohne gebuchte Touren gab. Somit entschieden wir uns mit einem Workaway zu starten, um Land und Leute besser kennenzulernen und außerdem hatte ich bisher unglaublich tolle Erfahrungen damit gemacht.
Nachdem wir die Hauptstadt Ulaanbaatar etwas kennengelernt hatten, ging es mit einem sehr angenehmen Zug (vergleichbar mit indischen Zügen – nur leerer) Richtung Norden. Da wir untertags fuhren, war es perfekt stundenlang die vorbeiziehende weite Landschaft zu beobachten.
Wir wurden in Darchan von Minjee, unserer Gastgeberin, abgeholt. Hier lernten wir direkt, dass es ganz normal ist mit einem Stadtauto die tiefsten Schlaglöcherstraßen zu fahren. Als wir an der „Farm“ ankamen, lernten wir noch drei andere Freiwillige kennen, die derzeit ihr Workaway dort machten. Leider bekamen wir auch einen ziemlichen Schock. Als wir eine Hütte betraten, zeigte unsere Gastgeberin auf ein paar Holzpaletten und meinte, dass das unser Schlafplatz wäre und fragte wieso wir keine Schlafsäcke dabei hätten. Letztlich bekamen wir netterweise ein paar dreckige Decken, damit wir in der Nacht nicht erfroren. Neben uns wohnte noch eine Vogelfamilie in der Küche und bestimmt noch ein paar andere kleine Tiere. 🙆🏻♀️ Das Plumsklo war auf der anderen Seite des Hofes, es gab kein fliesendes Wasser und Duschen ging nur eiskalt. Auf der Website stand von all dem nichts. Das alles mussten wir erstmal verarbeiten. Wir entschieden uns trotzdem dem Ganzen erstmal eine Chance zu geben, vor allem weil wir uns sehr gut mit den anderen Freiwilligen verstanden.
Im Laufe der nächsten Tage stellte sich heraus, dass wir eigentlich den ganzen Tag auf Zack sein mussten. Der Tagesablauf sah meist so aus: 8:00 Uhr Frühstück vorbereiten, gemeinsam essen, abwaschen, Vorbereitungen für den Tag machen. 10:00 Uhr mit dem Auto zur „Arbeit“ fahren. Dies dauerte pro Strecke eine halbe Stunde, da die Farm dorthin verlegt werden sollte. Bis 13/14 Uhr Holz aussortieren, entnageln, zusägen, rumtragen und annageln. Wir sollten einen Kuhstall für den Winter bauen. Zum Mittagessen ging es zurück zur alten Farm und nach ein bis zwei Stunden wieder zurück. Bis abends arbeiteten wir dann und mussten dann „Zuhause“ wieder kochen, abspülen und vielleicht noch eine kalte Dusche nehmen. Somit blieb keine Zeit für uns oder die Kultur kennenzulernen. Als ich erfuhr, dass andere das schon zwei Wochen ohne einen freien Tag machten, konnte ich es nicht glauben. Das war nicht Sinn eines Workaways. Leider bestand auch kaum Interesse der Gastgeber an uns. Charlotte wurde dann krank und ich musste diskutieren warum sie krank nicht arbeiten würde… Es gab noch viele solcher Situationen, die mich wirklich traurig machten, da ich bisher so tolle Erfahrungen mit Workaways gemacht hatte. Schließlich entschieden wir nach einer Woche die Erfahrung zu beenden und unsere Zeit in der Mongolei anders zu nutzen.
Trotzdem hatten wir auch gute Momente während dieser Woche. Ich hatte die Möglichkeit einmal mit „Peanutbutter“ reiten zu gehen, was ich total genoss. Ich war auch an einem Morgen beim Kühe melken, was erstmal richtig schief ging. 😄 🤭 Mir ist ein Eimer Milch in Kuhkacke gefallen und eine Kuh hat mir einen blauen Zeh verpasst. Das Karottenernten machte auch viel Spaß und die Zeit mit den anderen Freiwilligen war auch toll. Alles in allem waren wir stolz es probiert zu haben und schließlich Konsequenzen gezogen zu haben.
Zurück in der Hauptstadt genossen wir die kleinsten Dinge, besuchten ein Kloster, shoppten bis zum Umfallen auf dem riesigen Black Market, sahen uns ein traditionelles Folk Song and Dance Ensemble an und planten natürlich unsere Weiterreise.
Die meisten Touristen bereisen die Mongolei mit geführten Touren. Da wir uns aber gar nicht danach fühlten, buchten wir einen 15 Stunden Bus in eine der vermeintlich schönsten Regionen – nach Khatgal am Chöwsgöl Nuur See im Norden.
Die Familie der das Guesthouse gehörte, waren herzensgute Menschen und wir fühlten uns direkt wohl hier. Wir wohnten in unserer eigenen Jurte, welche wir mit Holz heizten. Auch die heiße Dusche wurde mit Holz erhitzt. Wir trafen hier außerdem viele interessante Reisende.
Ein Tagesausflug mit den Pferden war unglaublich schön, erstaunlich vielfältig und das Reiten machte uns so viel Spaß.
Wir besuchten mittags eine Familie in ihrer Jurte und bekamen Yakmilch und Yakkäse angeboten. Leider wurde mir das vermutlich zum Verhängnis. Ich bekam die schlimmste Magen-Darm Erkrankung, die ich je hatte. Nachdem zahlreiche Medikamente nicht geholfen hatten, besuchte uns eine Ärztin in unserer Jurte und rettete mich mit einer Infusion und weiteren Medikamenten. Danach musste ich erstmal ein paar Tage regenerieren. 🙆🏻♀️😄
Die letzten zwei Tage in Khatgal nutzen wir aber noch gut aus. Früh morgens hatten wir die Möglichkeit Yaks zu melken. Das war für mich viel entspannter als mein Versuch zuvor und machte Spaß. Danach starteten wir eine zweitägige Reittour. Wir ritten stundenlang durch die Weite der Mongolei und konnten sogar Yaks treiben. Zur Abendsonne konnte ich noch wunderschöne Herbstbilder mit der Drohne machen. 🍁 Die Nacht verbrachten wir in der Jurte eines mongolischen Ehepaars. Das Leben hier ist sehr einfach und extrem hart. Die Ehefrau melkt und bereitet den ganzen Tag Yakkäse oder Joghurt zu.
Da es am zweiten Tag sehr kalt war, bekamen wir traditionelle mongolische Kleidung, die sehr gut wärmte. Wir hatten tolle Ausblicke über den See und die gelben Wälder. Es wäre natürlich langweilig, wenn alles glatt laufen würde. Mein Pferd war, wie unser Guide sagte, am ersten Tag „hot“. Das bedeutet, ich konnte es nicht mehr stoppen, und wir überquerten eine Wiese in Rekordgeschwindigkeit. Aber ich bin nicht runtergefallen 😄💪👏. Das geschah dafür am zweiten Tag. Nachdem wir viel bergab ritten, schaffte ich es für ein paar Sekunden mit dem Sattel auf dem Hals des Pferdes zu reiten, bis ich über seine Schulter langsam runtergleitete. Nach einem kurzen Schock beiderseits ging es aber mit engerem Sattel wieder weiter. 😂
Das Leben in der Mongolei ist sehr hart und das spiegelt sich auch in den meisten Menschen wieder, was für uns erstmal gewöhnungsbedürftig war. Während 80 Millionen Tiere in dem Land beheimatet sind, leben nur 3 Millionen Menschen hier. Die Einheimischen sind bescheiden und trotzdem sehr stolz auf ihr Land. Kaum jemand spricht hier Englisch. Dieses ursprüngliche, freie und wenig touristische gefiel uns aber auch sehr gut.
Letztendlich waren wir froh noch ein paar schöne Tage gehabt zu haben. Auch wenn die Mongolei hart zu uns war, freuen wir uns schon wieder auf die nächsten Abenteuer in diesem faszinierenden Land.
Spontan entschied ich mich, dass meine Reise mit der Mongolei enden sollte. So buchte ich Flüge und schwuppdiwupp saß ich schon im Flugzeug zurück nach Deutschland.

















































































































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